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Die Geschichte der Kunst

Renaissance Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

Leonardo da Vinci studiert die Natur und den menschlichen K?rper, ersinnt Flug- und Kriegsmaschinen: Rastlos stürzt der Vision?r, der das Renaissance-Ideal des vielseitig begabten Menschen wie kein anderer verk?rpert, von Projekt zu Projekt. Beim Malen aber h?lt er inne - und sch?pft aus seinem universalen Wissen Werke von überzeitlicher Sch?nheit
Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

Leonardo da Vinci

M?chtige Herrscher buhlen um seine Zeit, um seinen Rat, um ein von ihm gefertigtes Kunstwerk. Leonardo da Vinci aber, der in seinem Leben zahllose Projekte anf?ngt, doch nur wenige vollendet, treibt nicht so sehr das Verlangen nach Geld oder Einfluss, sondern vor allem die Neugier. Der gr??te Vision?r der italienischen Renaissance experimentiert, zeichnet, erfindet - und schafft eine Kunst, in der wissenschaftliche Erkenntnis und ?sthetik zusammenflie?en.

Leonardo da Vinci ist schon als Kind naturbegeistert

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Verkündigung": Leonardo da Vinci fertigt nur rund ein Dutzend Gem?lde. Dieses Bild entsteht um 1473, als er seine Künstlerausbildung in Florenz wohl gerade abgeschlossen hat. Zwar sind die Proportionen Marias, der ein Engel gerade die Empf?ngnis des Gottessohnes ankündigt, nicht stimmig, doch Naturdetails gibt der künftige Meister exakt wieder

Schon als Kind erforscht Leonardo, 1452 als unehelicher Sohn eines Notars im toskanischen Vinci geboren, die Gesetzm??igkeiten der Natur: ?Beschreibe, wie die Wolken sich bilden und wie sie sich aufl?sen“, vermerkt er sp?ter in einem seiner Notizbücher, "was die Nebel und die Verdichtung der Luft verursacht und warum diese manchmal blauer oder weniger blau erscheint als ein andres Mal."

Der Vater schickt den talentierten Sohn zur Ausbildung in die Werkstatt des Florentiner Bildhauers und Malers Andrea del Verrocchio, wo Leonardo mit Gips und Tonmodellen den Faltenwurf von Gew?ndern studiert, K?rper skizziert, an ersten Gem?lden arbeitet. Nach seiner Lehre wird er in die Florentiner Malerzunft aufgenommen, richtet sich eine Werkstatt ein, erh?lt erste Auftr?ge.

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Dame mit dem Hermelin": Als erster Künstler Italiens zeigt Leonardo Frauen nicht, wie es schicklich ist, im Profil, sondern halb oder ganz von vorn. Um 1490 portr?tiert er die Geliebte des Mail?nder Herzogs Ludovico Sforza, dem er auch als Ingenieur dient

Doch 1482 verl?sst der vielseitig Begabte Florenz und tritt erst als Musiker, dann als Architekt und Ingenieur in den Dienst des Mail?nder Herzogs Ludovico Sforza. Als der ihn beauftragt, ein Reiterstandbild zu Ehren seines Vaters zu fertigen, plant Leonardo eine revolution?re Statue: Er setzt den Reiter auf ein sich aufb?umendes Pferd. Doch die furiose Idee scheitert an der Statik, Leonardo kann das Problem der erhobenen Vorderl?ufe nicht l?sen. Stattdessen entwirft er ein trabendes Pferd in dreifacher Lebensgr??e.

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Studien für eine Flügelgliederung": Mehr als 20 Meter Spannweite messen die Schwingen mancher der von Leonardo erdachten Flugapparate. Bei seinen Entwürfen orientiert er sich an der Anatomie der Fledermaus (um 1488)

Mehr als 7,50 Meter ist das Tonmodell hoch, gut 75 Tonnen Bronze stehen für den Guss bereit. Doch auch dieses Standbild wird nie angefertigt, denn Ludovico schickt die Bronze seinem Schwiegervater, der daraus Kanonen gie?en l?sst. Trotzdem bewundern zahlreiche berühmte Besucher in Mailand Leonardos gro?artigen Entwurf.

Der hat bereits sein n?chstes Projekt begonnen: das ?Letzte Abendmahl“, ein gut 40 Quadratmeter gro?es Wandbild im Kloster Santa Maria delle Grazie. Das Fresko bricht mit der üblichen Norm, Judas separat sitzend darzustellen, w?hrend Jesus das Brot austeilt. Leonardo zeigt die an einer langen Tafel versammelten Apostel in jenem Augenblick, als Jesus verkündet, ein Verr?ter sei unter ihnen - und platziert Judas mitten unter den Jüngern.

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Zahnr?der und Hygrometer": H?ufig besch?ftigt sich das Universalgenie mit Mechanismen zur Kraftübertragung. Um 1485 ersinnt er eine Waage, mit der sich die Luftfeuchte bestimmen l?sst

Immer wieder widmet sich Leonardo seinen anderen Interessen. So seziert er mehr als 30 Leichen und fertigt anatomische Zeichnungen an, die pr?ziser sind als alle zuvor; entwirft einen per Kurbel angetriebenen Panzer und einen Fallschirm; studiert den Vogelflug und die Str?mungen des Wassers; plant Hafen- und Befestigungsanlagen; dient der m?chtigen Familie Borgia als Milit?ringenieur; inszeniert Feste und skizziert Bühnenbilder. Seine Gedanken notiert er oft in Spiegelschrift, ver?ffentlicht sie aber nie. An seinen Gem?lden arbeitet er zum Teil über Jahrzehnte.

Mona Lisa überarbeitet Leonardo immer wieder

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Mona Lisa": Für das Portr?t der geheimnisvollen Sch?nheit perfektioniert Leonardo um 1503 eine neue Maltechnik: Er tr?gt stark verdünnte ?lfarben in zum Teil Dutzenden von Schichten auf, was die Konturen leicht verschwommen und die Dargestellte ein wenig entrückt wirken l?sst

Sein berühmtestes Werk reist für den Rest seines Lebens mit ihm, weil er es immer wieder überdenkt und überarbeitet, obwohl bereits einige Zeitgenossen von seiner Sch?nheit schw?rmen: die "Mona Lisa". Leonardo fertigt das Bildnis um 1503 m?glicherweise für einen Seidenh?ndler in Florenz.

Anatomische und naturkundliche Studien nutzend, erschafft er eine perfekte Frau, wie sie nur in der Kunst existiert. Eine von ihm entwickelte Maltechnik l?sst die Portr?tierte, vielleicht die Gattin des Auftraggebers, lebensnah und geheimnisvoll zugleich erscheinen: Der Künstler tr?gt die Farbe mit feinen Pinselstrichen und in mehreren durchschimmernden Schichten auf, sodass das L?cheln der Frau wie von einem Schleier umhüllt erscheint.

Leonardo da Vinci stirbt am 2. Mai 1519

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Das letzte Abendmahl": Ein Verr?ter sei unter ihnen, verkündet Jesus den Aposteln - und entfesselt einen Sturm der Gefühle: Nie zuvor hat ein Künstler den Abschied Jesu von seinen Jüngern ergreifender dargestellt (um 1497)

1513 zieht Leonardo auf Gehei? Papst Leos X. nach Rom. Dort malt er "Johannes den T?ufer", sein wohl letztes Gem?lde. Denn der Künstler ist nun über 60, seine rechte Hand ist gel?hmt. 1516 l?dt ihn Frankreichs K?nig Franz I. ein, im Herrenhaus in Cloux seinen Lebensabend zu verbringen.

Dort stirbt Leonardo am 2. Mai 1519. Sein Ruf als Universalgenie hat zu diesem Zeitpunkt l?ngst Europa erobert: Aufstrebende Maler wie Michelangelo Buonarroti, Albrecht Dürer oder sp?ter Peter Paul Rubens lassen sich von seiner Kunst inspirieren, und Biografen beginnen wenige Jahre nach seinem Tod, sein Schaffen zu dokumentieren.

Nichts kommt Leonardos Malerei

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"Studien zweier Soldaten": Die martialischen Gesichter dieser K?mpfer arbeitet der Künstler vermutlich in ein nicht vollendetes Monumentalgem?lde ein, das er um 1505 für die Regierung von Florenz fertigen soll: die "Anghiarischlacht"

Leonardo hinterl?sst Tausende Zeichnungen, Studien und Entwürfe. In ihnen hatte sich der Künstler mit vielen Details der Natur vertraut gemacht: Wie bewegen sich die Muskeln eines K?rpers? Wie fallen Stoffe, wachsen Pflanzen? Wie wandern die Sterne und funktioniert die Mechanik einer Pumpe?

Leonardo da Vinci: Portr?t eines Universalgenies

"F?tus im Uterus": Akribisch seziert Leonardo den menschlichen K?rper, erforscht das Skelett, den Verlauf von Muskelstr?ngen, das Innere der Organe. Um 1510 skizziert der bald 60-J?hrige eine ge?ffnete Geb?rmutter mit einem, so sch?tzt er selbst, vier Monate alten F?tus

Nichts aber kommt seiner Malerei gleich, die ihm selbst zeitlebens als die h?chste Kunst galt. Es sind kaum mehr als zehn Werke, doch in ihnen hat der Mann aus Vinci all sein Wissen um die Natur und den Menschen zusammengebracht. Um nichts weniger zu portr?tieren als: das Wesen der Welt.

GEO EPOCHE EDITION Nr. 11 - 04/2015 - Italien und seine Meisterwerke
GEO EPOCHE EDITION Nr. 11 - 04/2015
Italien und seine Meisterwerke
H?hepunkte aus fünf Jahrhunderten
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