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Traumdeutung "?Tr?ume zu verstehen, ist nicht schwer"

Wie sind Tr?ume zu verstehen? Kann man Albtr?ume loswerden? Und was ist dran an Sigmund Freuds Traumdeutung? über das und mehr sprach GEO-Redakteurin Johanna Romberg mit dem renommierten Traumforscher Michael Schredl
Tr?umen

Traumdeutung: "Das Interpretieren von Tr?umen erfordert keine gro?en Dechiffrierkünste", sagt Michael Schredl. Der Psychologe ist einer der führenden deutschen Traumforscher. Er leitet das Schlaflabor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim

GEO: Herr Professor Schredl, darf ich Ihnen einen Traum erz?hlen?

Michael Schredl: Gern.

Neulich nachts befand ich mich in Gesellschaft einer korpulenten amerikanischen Komikerin und von?Sigmar Gabriel. Wir hatten ein Dreiecksverh?ltnis, das ich beendete, indem ich meinen Koffer packte. Beide waren sehr traurig, ich fühlte mich schuldig. Was sagt dieser Traum über mich?

Wenn der Traum keine direkten Erfahrungen aufgreift ...

Um Himmels willen. Ich bin seit 23 Jahren glücklich verheiratet.

...dann stellt er vermutlich ein Thema dar, das Sie gerade besch?ftigt. Offenbar gibt es etwas in Ihrem Leben, das Ihnen lange Zeit Spa? gemacht hat, beruflich oder privat. Davon wollen Sie jetzt aber weg. Und Sie sind sich bewusst, dass Ihre Entscheidung nicht positiv aufgenommen wird.

"?Tr?ume zu verstehen, ist nicht schwer"
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"Im Traum arbeitet Ihr Bewusstsein anders"

Das Muster mag stimmen. Aber warum w?hlt mein Traumbewusstsein ausgerechnet diese Komikerin und den Vizekanzler aus, um es darzustellen?

Die Personen haben keine besondere Bedeutung. Sie k?nnen sich das Traumbewusstsein wie einen Regisseur vorstellen, der ein Skript vor sich hat und dazu die passenden Bilder und Darsteller aussucht.

Passend erscheinen mir diese beiden nun gerade nicht ...

... weil Sie die Szene mit Ihrem wachen Verstand beurteilen. Im Traum arbeitet Ihr Bewusstsein aber anders. Es hat Zugriff auf Erinnerungen, die Ihnen im Wachzustand nicht zug?nglich sind – weil jene Teile Ihres Gehirns, die Gedanken sortieren und logisch verknüpfen, weitgehend inaktiv sind. So führt Ihnen Ihr Traumbewusstsein, in dieser Szene, nicht nur eine aktuelle Situation vor Augen, es l?sst darin auch Erinnerungen an andere, lange zurückliegende Abschiede wieder aufleben. Offenbar mit passenden Bildern – sonst h?tte der Traum bei Ihnen nicht so starke Gefühle ausgel?st.

Was für ?Skripte“ werden im Traum inszeniert, und wie erkennt man sie?

Zu den h?ufigsten Handlungsmustern geh?rt etwa dieses: Man rennt in Panik vor Monstern davon, die einen verfolgen. Das Thema dahinter: Der Tr?umende scheut die Auseinandersetzung mit einem Problem, das als bedrohlich empfunden wird.

Ein kleiner Wegweiser durch die Welt der Tr?ume
Tr?umen
Ein kleiner Wegweiser durch die Welt der Tr?ume
Warum nachts im Kopf ein Film abgeht und weshalb wir im Schlaf oft auf die besten Gedanken kommen: Sechs Fragen rund ums Tr?umen

"Sigmund Freud pr?gt immer noch viele g?ngige Vorstellungen über Tr?ume"

Ich packe im Traum st?ndig Koffer und werde damit nie fertig.

Ein klassisches Traumthema, hinter dem eine heutzutage g?ngige Erfahrung steht: Man hat zu viele Projekte zu erledigen und ger?t darüber in Zeitdruck.

Die Erkl?rungen klingen einleuchtend. Aber auch irgendwie – zu einfach.

Sie sind einfach. Das Interpretieren von Tr?umen erfordert keine gro?en Dechiffrierkünste.

Wirklich nicht? Ich dachte immer, Tr?ume seien voller verdeckter Botschaften, die man nur durch genaue Analyse entschlüsseln kann.

Das ist, vorsichtig gesagt, eine überholte Vorstellung.

Treppensteigen bedeutet Koitus, H?hlen und Gef??e stehen für weibliche Genitalien...

Sie spielen auf die Theorie von Sigmund Freud an, die immer noch viele g?ngige Vorstellungen über Tr?ume pr?gt. Ich finde diese Art der Interpretation problematisch; sie sagt oft mehr über den Interpreten aus als über den Tr?umenden selbst.

"Ich würde den Begriff Traumdeutung nicht verwenden"

Und woher wissen Sie, dass Ihre Form der Traumdeutung richtig ist?

Es gibt keine ?Deutung“, die ?stimmt“. Ich würde diese Begriffe nicht verwenden. Für mich liefern Tr?ume schlicht Anregungen, im Wachzustand über etwas nachzudenken. Zwar kommt man meist nicht ?über Nacht“ zu neuen Erkenntnissen. Aber wenn sich nach einiger Zeit das Gefühl einstellt, ich kann bestimmte Verhaltensmuster genauer erkennen, wom?glich konstruktiv ver?ndern – dann war die Traumarbeit erfolgreich.

Es gibt aber auch Tr?ume, die man nach dem Aufwachen am liebsten gleich vergessen würde.

Gerade mit Albtr?umen sollte man sich unbedingt auseinandersetzen. Das ist oft die einzige M?glichkeit, sie loszuwerden.

Und wie funktioniert das konkret?

Man sollte die Traumhandlung zun?chst aufschreiben oder aufzeichnen, mit allen Details. Dann kann man darangehen, den Traum umzuschreiben. Man erfindet, zum Beispiel, ein Fabelwesen, das die verfolgenden Monster besiegt. Die neue Wendung ruft man sich von nun an t?glich ins Ged?chtnis. In etwa 80 Prozent aller F?lle verschwinden die Albtr?ume bereits nach zwei Wochen.

Sigmund Freud und die Traumdeutung

Sigmund Freud (1856–1939), der Wiener Neurologe und Begründer der Psychoanalyse, sah Tr?ume als ?K?nigsweg zum Unterbewussten“. Er ging davon aus, dass nachts aus unbewussten Anteilen der Psyche verborgene Wünsche und Empfindungen aufsteigen, die der Tr?umende tagsüber unterdrückt, etwa weil sie ihn be?ngstigen oder gegen geltende Normen versto?en. Laut Freud handelt es sich dabei h?ufig um sexuelle Gelüste, Aggressionen oder Kindheitserlebnisse. Sigmund Freud lehrte zudem, auf besondere Traumsymbole zu achten – also auf Bilder, die allgemeingültig übersetzt werden k?nnen. Eine Vase oder H?hle stelle etwa die weiblichen Genitalien dar; ein Stock oder Turm den Penis. Und tr?ume ein Mensch davon, dass er eine Treppe hochsteigt, fantasiere er insgeheim über den Koitus. Wissenschaftlich fundierte Belege für diese Ansicht aber gibt es nicht. Selbst Gefolgsleute des Wiener Forschers gehen heute davon aus, dass Traumbilder nur selten so eindeutig zuzuordnen sind, wie Freud es glaubte. Doch Freud etablierte als Erster die Idee, dass die Nachtfantasien einen Zugang zu unbewussten Teilen der Psyche er?ffnen – und schuf so die Grundlage für alle anderen Schulen der Traumdeutung.

Auszug aus "Schlüssel zur Psyche" von Ute Eberle in GEOkompakt "Schlaf und Traum".

Was bringt es gesunden, unbelasteten Menschen, sich mit ihren Tr?umen zu besch?ftigen?

Ich glaube, dass die Besch?ftigung mit den eigenen Tr?umen jedem weiterhilft, unabh?ngig vom psychischen Befinden. Tr?ume k?nnen lehren, die eigenen St?rken und Schw?chen zu erkennen, und sie geben immer wieder kreative Anregungen.

Sie sprechen auch aus Erfahrung. In Ihrem Buch ?Tr?ume“ ist zu lesen, dass Sie seit über 20 Jahren Ihre Traumerlebnisse protokollieren.

Und sie überraschen mich immer wieder. Neulich erst stürmte nachts eine Menschenmenge in mein Zimmer, um mich von der Arbeit abzulenken.

Und was haben Sie aus diesem Traum gelernt?

Es ging um das Thema Abgrenzung. Was ich daraus lerne – das ist noch die Frage. Tr?ume liefern ja niemals fertige L?sungen. Sie sind immer nur eine Anregung zum Weiterdenken.

Video: Typische Tr?ume - und was sie zu bedeuten haben

Viele Menschen berichten von Tr?umen, die sich auf erstaunliche Weise ?hneln. Rund um die Welt erleben viele M?nner und Frauen beispielsweise, dass sie g?nzlich unvorbereitet eine Prüfung absolvieren müssen oder dass sie verzweifelt nach einer Toilette suchen. Solche Bilder und Handlungen, die Millionen Menschen in recht ?hnlicher Form nachts erscheinen, nennen manche Experten ?universelle“ Tr?ume. ?Im Video erkl?ren wir drei h?ufige Traummotive. Mehr über typische Nachtfantasien und erholsamen?Schlaf lesen Sie in?GEOkompakt "Schlaf und Traum" -?hier direkt bestellen.

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