Atommüll Was wir aus Gorleben lernen k?nnen

Die Debatte um das Ausscheiden von Gorleben als Endlager zeigt, dass Kosten und Risiken der Kernkraft systematisch untersch?tzt werden
Zwischenlager in Gorleben

Strahlende Altlast für die Ewigkeit: Castor-Beh?lter im Zwischenlager Gorleben

+++ Kolumne "Alles im grünen Bereich" +++

?Wie die Kettenreaktionen auf der Sonne uns W?rme, Licht und Leben bringen, so schafft die Atomenergie aus Wüste Fruchtland, aus Eis Frühling. Einige hundert Pfund Uranium und Thorium würden reichen […], Sibirien und Nordamerika, Gr?nland und die Antarktis zur Riviera zu verwandeln“, jubelte der Philosoph Ernst Bloch im Jahr 1957. Der Deutsche Gewerkschaftsbund feierte die Atomkraft als ?Geschenk des Himmels“. Und die führenden Atomforscher der Republik wandten sich – ebenfalls 1957 – im ?G?ttinger Manifest“ zwar mit Pathos gegen die atomare Aufrüstung – propagierten aber die ?friedliche“ Nutzung und deren F?rderung ?mit allen Mitteln“.

Bei so viel Aufbruchsstimmung scheint erkl?rlich, dass über die Hinterlassenschaften der Meiler kaum nachgedacht wurde. Der Physiker Carl Friedrich von Weizs?cker – einer der Unterzeichner des G?ttinger Manifests – glaubte noch 1969, der komplette Atommüll des Jahres 2000 werde in einen ?Kasten“ passen. Ab unter Tage damit und fertig.

Gorleben: Randnotiz eines grandiosen Irrtums

Heute wissen wir es besser. In Europa werden heute 60.000 Tonnen abgebrannter Kernbrennstoff zwischengelagert. Hinzu kommen 2,5 Millionen Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abf?lle. Der Berg der gef?hrlichsten Altlast, die Menschen je produziert haben, w?chst st?ndig. Und weltweit gibt es kein einziges Endlager, in dem strahlender Müll für mehrere Hunderttausend Jahre sicher w?re.

Die nun wieder aufgeflammte Diskussion um eine Endlagerst?tte in Deutschland und das Ausscheiden von Gorleben zeigt:

Welche L?sung für eine Million Jahre ?sicher“ und ?geeignet“ ist, das ist eine Frage, die immer auch politisch beantwortet werden wird. Eine verantwortliche, gerechte Entscheidung für die n?chsten Millionen Jahre ist eine Illusion. Denn egal, wie die Suche nach dem ?perfekten“ Endlager ausgeht: Wir vermachen zukünftigen Generationen ein kaum zu beherrschendes strahlendes Erbe. Es wird Verlierer geben. Jemand wird für unseren billigen Strom bezahlen. Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Risiken und Kosten für die Ewigkeit

Denn zweitens wurden auch die finanziellen Kosten der Endlagerung jahrzehntelang untersch?tzt und heruntergespielt. Und das nicht nur in Deutschland, wo die Atommüll-Deponierung auf mindestens 170 Milliarden Euro taxiert wird. ?Insgesamt ist festzustellen“, so das Resümee des ersten World Nuclear Waste Report, ?dass kein Land [in Europa] die Kosten richtig sch?tzt und die Lücke zwischen finanziellen Rückstellungen und gesch?tzten Kosten schlie?t.“ Menschen werden auch in einer unvorstellbar fernen Zukunft für unseren Hunger nach billiger Energie bezahlen.

Peter Carstens
Kolumne
Alles im grünen Bereich
In seiner Kolumne schreibt GEO.de-Umweltredakteur Peter Carstens über das einfache, nachhaltige Leben, über ?ko-Sünden, Greenwashing und richtig gute Ideen

Nach nur rund 60 Jahren ist der Hype um die ?unersch?pfliche“ Energiequelle – zumindest in Deutschland – erledigt. Die Sorge um die Hinterlassenschaften dagegen wird die Spezies Mensch besch?ftigen, so lange sie den Planeten bev?lkert.

Das Argument, Atomkraft diene dem Klimaschutz, das jetzt allenthalben zu h?ren ist, verkehrt sich unter diesem Gesichtspunkt in sein Gegenteil. Denn es gibt keine billige Energie. Aber es gibt Zukunftsvergessenheit.

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