Toxoplasmose: Wie Parasiten uns steuern

Der Erreger der Toxoplasmose macht M?use leichtsinnig, um zu seinem Endwirt, der Katze, zu gelangen. Doch auch Menschen sind betroffen - jeder Dritte, glaubt der Evolutionsbiologe Jaroslav Flegr
Toxoplasmose: Wie Parasiten uns steuern

Infizierte M?use verlieren ihre Angst vor Katzen

Es ist der am weitesten verbreitete Parasit der Welt - Toxoplasma gondii. Jeder dritte Mensch ist mit ihm infiziert. Seine Hauptwirte sind Katzen - und nur in ihnen kann er sich vermehren. Andere Tiere wie M?use, V?gel, aber auch Menschen, werden nur als Vehikel benutzt, um von einer Katze zur n?chsten zu gelangen.

Wie der Parasit etwa eine Maus zum Zwischenwirt umfunktioniert, das ist schon gespenstisch. Da M?use naturgem?? Angst vor Katzen haben, wendet der Parasit einen Trick an, um zum Ziel zu gelangen. Einmal im K?rper des Wirtes angelangt, verschanzt er sich in der Leber und im Gehirn seines Opfers, um von dort seinen Terrorfeldzug anzutreten. Infizierte M?use fühlen sich nahezu magisch angezogen von Katzen, fliehen vor ihrem Fressfeind nicht, sondern laufen ihm direkt in die Arme. Die britische Parasitologin Joanne Webster konnte dieses Verhalten in einer Studie auch im Labor nachweisen. Der Parasit programmiert seine Wirte auf Selbstmord.

Seit über 15 Jahren forscht der tschechische Evolutionsbiologe Jaroslav Flegr an der Karls-Universit?t Prag an der Frage, welchen Einfluss eine Infektion mit Toxoplasmose auf den Menschen hat. Ihn interessierte vor allem, ob bei infizierten Menschen ?hnliche Verhaltens?nderungen wie bei den M?usen auftreten. In einer gro?angelegten Versuchsreihe mit mittlerweile zehntausend Probanden zeigte sich, dass sich die Pers?nlichkeit von mit Toxoplasmose Infizierten tats?chlich ver?ndert. Und je l?nger die Infektion andauert, desto gr??er sind offenbar die Ver?nderungen. Besonders bei M?nnern beobachtete Flegr eine signifikante Steigerung der Risikobereitschaft - gepaart mit einer Abnahme der Reaktionsf?higkeit. Flegr fand zudem heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, in einem Autounfall verwickelt zu werden, für Infizierte mehr als zweieinhalb Mal h?her ist. Die Risikobereitschaft seiner Opfer ist für den Parasiten deshalb wichtig, da auch einst der Mensch zu den Beutetieren von Gro?katzen geh?rte.

Die genauen biochemischen Abl?ufe, die zu dieser Fernsteuerung führen, sind noch nicht eindeutig gekl?rt. Nachweisen kann man nur, dass der Testosteronspiegel bei infizierten M?nnern immens ansteigt, w?hrend er bei Frauen im gleichen Ma? sinkt.

Flegrs "Manipulations-Hypothese" am Beispiel der Toxoplasmose ist aber kein Einzelfall in der Natur. Das Syphilisbakterium, das bei sexuellen Kontakten übertragen wird, sorgt zum Beispiel dafür, dass sein Wirt sexuell aktiver wird. Um so seine Weiterverbreitung zu sichern. Und der Saugwurm Euhaplorchis californiensis manipuliert Fische so, dass sie an die Oberfl?che schwimmen und dort so lange mit Zappeln auf sich aufmerksam machen, bis der Endwirt, ein Vogel, sie bemerkt und frisst.

GEO
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